Queer Tantra Berlin                            Freiheit in Vielfalt  
-  Tantra ohne künstliche Abgrenzung: schwul, trans*, lesbisch, inter*, pan & hetero

Bedingungslose Hingabe im Tantra ist nicht mit Unterwerfung zu verwechseln. Es ist damit auch nicht gemeint, im Privaten auf Safer Sex zu verzichten oder etwas zu tun oder von uns oder dem anderen zu fordern, was die persönlichen Grenzen verletzt oder den persönlichen Vereinbarungen, die wir in unseren Beziehungen zu festen Liebespartnern eingegangen sind, widerspricht. Bedingungslose Hingabe bedeutet, die Aspiration von Zen und Tantra von „nicht werten, nicht urteilen“ zu leben und in der Praxis einer zwischenmenschlichen Begegnung liebevoll und achtsam umzusetzen.

Was braucht es dazu? Wesentliche Zutaten sind Vertrauen und Absichtslosigkeit. Hieraus entsteht im Idealfall dann die gelungene Tantrische Verbindung, das beglückende Gefühl mit der Situation, mit dem Partner, mit Allem eins zu sein – ein Flow-Erlebnis der besonderen Art.
Um dieses Vertrauen aufzubauen, schaffen wir eine geschützte tantrische Atmosphäre in unseren Workshops, nähern uns langsam uns selbst mit Mediation. 

Nähern uns den anderen Teilnehmern* mit verspielten Übungen, dem großen Ganzen mit Tanz, verbinden uns mit Mantren oder durch das Teilen von Lebensmitteln. 

Nur Schritt für Schritt können wir gemeinsam diesen Raum aufbauen, in dem wir gleichzeitig auf die Anderen zugehen, achtsam auf ihre Signale lauschen und die Hingabe an den anderen in den Vordergrund stellen – in Absichtslosigkeit, als ihre Gefährten auf dem Weg und Begleiter, offen für alles was kommen mag.

Wozu Absichtslosigkeit?  

Wenn wir hoffen, dass aus unserer Zuwendung eine konkrete gegenseitige und verpflichtende Beziehung für eine gemeinsame Zukunft erwächst, dann ist es sehr sinnvoll, zu bewerten, unmöglich nicht zu urteilen. Automatisch checken wir – wie beurteilt mich der andere, sowie hinterfragen wir uns: „Bin ich gut genug?“ 

Wir überlegen: wer hier im Raum kommt meinem Ideal eines Liebespartners am meisten entgegen – wem möchte ich meine Zeit widmen?  Das ist in der tantrischen Gruppenpraxis kontraproduktiv – Tausche also lieber am Schluss beim gemeinsamen Essen die Telefonnummer oder mail aus und widme Dich im während des Workshops oder Seminars dem* der genau jetzt dein tantrischer Übungspartner* ist mit Hingabe und voller Konzentration.

Um nicht-werten, nicht urteilen zu praktizieren, müssen wir uns sicher fühlen, uns selbst vertrauen sowie dem Partner. Und in dem wir unseren Partner* in der Situation eines tantrischen Rituals oder einer (tantrischen) Massage so annehmen, wie er ist: mit seinem* Körper, gleich welchen Alters, seiner Form, seines Gewichtes oder Geschlechtes, dann üben wir gleichzeitig auch uns selbst anzunehmen – so wie wir selbst sind. Wir machen also nicht nur unserem Massagepartnern, sondern auch uns ein Geschenk.


Diese Selbstakzeptanz erhöht unsere Selbstsicherheit und darüber hinaus erlangen wir eine zweite große Gabe: Freiheit. Die Freiheit, uns von unsrer Selbstdefinition, die sehr oft auf festen Anforderungen oder gesellschaftlichen Schönheitsidealen beruht, freizumachen. Anforderungen, die vielleicht lauten: Mein Partner* soll ein bestimmtes Alter haben, schlank sein oder kräftig, muss männlich/weiblich/cis oder gar trans sein, oder alternativ vielleicht einen großen Schwanz haben. Warum - damit ich mich in meiner Identität, in meinem Ego bestätigt fühle. Gelingt uns jedoch dies loszulassen, kann eine echte Begegnung stattfinden, die viel beglückender ist als das, was wir uns unseren festgefassten Fantasien vorstellen. Wir erleben die Essenz der bedingungslosen Hingabe.


Bedingungslose Hinhabe ist somit eine situative Empfindung, die im geschützten Raum und zeitlich begrenzt möglich ist – und damit uns in diesem Moment eine Transzendierung des Hier und Jetzt ermöglicht. Sowie gleichzeitig eine klare, ungefilterte Wertschätzung des Hiers.